BESCHERUNG

Wenn Kinderaugen kräftig leuchten

Wiefelsteder beschenken seit mehr als 30 Jahren Bewohner des Kinderhofs Wehde

Wiefelstedes Schützenpräsident Dirk Siemen hat die Verantwortung für die Aktion 1994 von Klaus Seidel übernommen. Die Kinder dürfen alljährlich Wunschzettel schreiben.

„Lieber Weihnachtsmann, ich freue mich, dass ich mir wieder etwas wünschen darf…“ So oder so ähnlich beginnen zahlreiche Wunschzettel, die Wiefelstedes Schützenpräsident Dirk Siemen auch in diesem Jahr von Kindern und Jugendlichen aus dem „Kinderhof Wehde“ in Neuenburgerfeld erhalten hat. Manchmal beginnen die Briefe auch mit „Liebe Familie Siemen“ oder mit „Hallo, liebe Siemens“ oder „Liebe Familie Siemen, inklusive der netten Schützentruppe“. Alle Kinder im Kinderhof haben sich in diesem Jahr aus Wiefelstede wieder etwas wünschen dürfen zu Weihnachten – wie nun schon seit mehr als 30 Jahren.

20-jähriges Bestehen

Rund 20 Kinder leben derzeit in der privaten Einrichtung, in der sie – herausgenommen aus ihren Familien – Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, die sonst gar nicht möglich wären, weiß Siemen. Die heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung steht heute unter der Leitung von Melanie und Alexander Krumnow und feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Vorher hieß sie einfach Kinderheim und war in Collstede angesiedelt. Damals in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte sich der zweite Vorsitzende der Wiefelsteder Schützen, Klaus Seidel, vorgenommen, einer sozialen Einrichtung zu helfen, wenn er seine schwere Erkrankung überstehen sollte. Seidel überstand die Krankheit und nahm dann durch den damaligen Gemeindedirektor Wilhelm Rippen Kontakt zum Kinderheim in Collstede auf. So begann die Wiefelsteder „Weihnachtsgeschichte“. Deren Fortgang nach dem Tod Seidels im Jahr 1994 der gerade gewählte Schützenpräsident Dirk Siemen mit seinen Schützen und auch der dritten Mannschaft des SVE Wiefelstede sicherte – bis heute.

Immer im November schicken die Kinder ihre Wunschzettel ab, dürfen sich aus verschiedenen Katalogen etwas aussuchen. Wie beispielsweise Jessica, die ihren Wunschzettel an den Weihnachtsmann mit den Worten beendet: „Danke, ich hab Dich lieb. Deine Jessica“. Immer werden zwei Wünsche genannt – für den Fall, dass einer nicht in Erfüllung gehen kann. So hat sich Lisa in erster Linie Bettwäsche gewünscht und dann noch ein Buch – und unter P.S. vermerkt: „Die Bettwäsche möchte ich am liebsten haben, da ich ein Frostbeutel bin“.

Schicksale

„Hinter jedem dieser Kinder steht bereits ein Schicksal, wenn sie in den Kinderhof kommen“, weiß Dirk Siemen. Schließlich: Diese Kinder haben in ihrer „Herkunftsfamilie“ keine Perspektive. „Es ist oft hart, von Einzelschicksalen zu hören“, sagt der Schützenpräsident.

Das Geld für die Geschenke an die Kinder stammt unter anderem aus Spenden, von Knobel-Aktionen des Schützenvereins und aus einem Sparschwein, in dem die Trinkgelder in der Schützenhalle gesammelt werden. Auch die „Dritte“ des SVE Wiefelstede beteiligt sich. Die Wiefelstederin Christa Freymuth bestellt die Geschenke, verpackt sie und gibt sie dann an den Schützenverein weiter. Am 21. Dezember machen sich Schützen und Spender dann nach Neuenburgerfeld auf – für die Bescherung. Tradition ist, dass die Kinderhof-Bewohner an diesem Tag eine Weihnachtsgeschichte aufführen.

„Ultracool“

Auch Simon hat in diesem Jahr zwei Wünsche – beide Male ferngesteuerte „Monster-Trucks“ – wobei er auch den Alternativ-Wunsch „ultracool“ findet. Ultracool auch sein „Zusatz“: „Da es nicht selbstverständlich ist, irgendwelchen Heimkindern jedes Jahr an Weihnachten etwas Schönes zu schenken, bedanke ich mich total herzlich bei Euch, dass Ihr Euch die Mühe macht, den Weihnachtsmann zu mimen. Und das vor dem 24.!“

„Manchmal“ – sagt Dirk Siemen – „sieht man, wenn die Kinder mit leuchtenden Augen ihre Geschenke öffnen, auch schon ein feuchtes Auge bei den Schützen“.

 

 

Text & Bild : Claus Stölting

Quelle: NWZOnline